Olaf Böhme.
Die Special-Seite.

VORSICHT!!!!!

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DER KASPER

Wohl Anfang der neunziger Jahre hat mir mal jemand einen kleinen süßen Kasper geschenkt. Eine richtige Kasperpuppe, der man mit der Hand Leben einhauchen kann. Und ich meine, es war das erste Programm, das ich in meiner kleinen Bühne "bebe" zur Aufführung brachte, da holte ich die Puppe herbei und sie bekam eine eigene Szene. Und als ich dann 1997 wieder mal im "Renitenztheater" in Stuttgart gastierte, da nahm ich sie mit. Und den Mitschnitt dieser Szene können Sie hier sehen.

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JE T´AIME

Während der Aufzeichnung einer MDR-Silvester-Sendung sprach mich jemand an, ob ich nicht einen Beitrag für die Neujahrsausgabe der Sendung "Je t´aime – Wer mit wem?" machen möchte. Die Sache kam mir interessant vor, ich ging eine Zeitlang damit "schwanger", und irgendwann in der Nacht riss der Knoten, ich setzte mich hin und schrieb die drei Szenen auf. Als wir sie dann im Foyer des alten "theater 50" in Dresden-Löbtau aufzeichneten, kam plötzlich unser Theater-Techniker herein und grüßte den Herrn Professor höflich – er hatte mich in der Maske nicht erkannt.

Hier nun also dieser Spaß, der in der Sendung in ein Lied eingebettet war, daher die einigen Töne.

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GESICHT

Es ist bekannt, dass die beiden Gesichtshälften eines Menschen unterschiedlich aussehen. Man bringt dies auch in Zusammenhang mit zwei verschiedenen seelischen Seiten, die dem Menschen innewohnen. Aus einem Bild, welches Stefan Martin Anfang 2009 von mir machte, schuf ich meine zwei Gesichter – eines, welches zweimal die rechte, und eines, welches zweimal die linke Gesichtshälfte enthält. Verrückt! Probieren Sie es es doch mal mit einem Bild von sich selbst.

KAUFMANNSLADEN

In 2012 kam die folgende Szene zu mir. Ich hätte sie gern mit meiner Bühnenkollegin Kiesel Köhler gespielt, so konnte ich sie ihr nur als Text zukommen lassen. Und jetzt können Sie sie lesen.

Kaufmannsladen

Er betritt den Laden. Sie steht freundlich wartend hinter der Ladentafel. Er geistert im Laden umher, unbestimmt durch die Gegend schauend, bald verharrend, bald scheinbar suchend weitergehend. Schließlich versucht sie, den Kontakt zu beginnen.

sie (ganz verbindlich) Guten Tag!
er (nach einem Moment der Überraschung) Guten Tag.
sie (nach einer weiteren kleinen Weile) Sie wünschen?
er Bitte?
sie Sie wünschen bitte?
er Ähh – ja ...
sie Sie haben einen Wunsch?
er Aha?
sie Sie möchten etwas kaufen?
er Kaufen?? Hn-hn. Wieso?
sie Das ist ein Laden.
er Ach so. Aha. Ja – gewiss doch. Etwas kaufen, ja.
sie Was möchten Sie denn kaufen?
er Was? (die Bedeutung der Frage wird nicht klar)
sie Haben Sie eine bestimmte Vorstellung von dem, was Sie kaufen möchten?
er Ja. Nein. Es – ist auch schon spät ...
sie Soll es ein Geschenk sein?
er (er wird hellhörig) Ein Geschenk?!
sie Ja.
er (erfreut) Warum nicht? Ein Geschenk. Keine schlechte Idee.
sie Und – was soll es sein?
er Was soll es sein?
sie Ist es für eine Frau?
er (erstaunt und überrascht) Eine Frau!
sie Ja, ich weiß ja nicht ...
er (er schaut sie intensiv an, prüfend und zweifelnd) Für Sie??!
sie Für mich! Für mich?
er Ich weiß nicht.
sie Sie kennen mich ja gar nicht.
er Ja. Nein.
sie Und trotzdem wollen Sie mir etwas schenken?
er Ja. Nein. Also – ich meine ... Wenn Sie es sagen ...
sie Mir schenkt sonst nie jemand etwas ...
er So-so.
sie Was wollen Sie mir denn schenken?
er Ich weiß nicht. Was haben Sie denn?
sie (greift, nach längerem verlegenen Zögern, hinter sich ins Regal und legt es auf die Ladentafel; sehr nüchtern:) Das hier.
er (betrachtet die Ware aus der Distanz) Was ist das?
sie Schnürsenkel.
er (nimmt die Schnürsenkel, wendet sie hin und her) Hn-hn. Hübsch. (betrachtet die Schnürsenkel weiter) Hübsch. Sehr hübsch. Hm. Haben Sie noch etwas anderes?
sie (unnahbar) Nein.
er Hn-hn. Nur Schnürsenkel?
sie (unnahbar) Ja.
er Nur dieses eine Paar?
sie (ganz knapp) Ja.
er Hn-hn. Hübsch. (hat plötzlich eine Idee – hält sie ihr ein wenig hin) Gefallen sie Ihnen?
sie Ja – (verlegen lächelnd, Interesse gewinnend) schlecht sind sie nicht. Eigentlich sind sie sehr hübsch. Im Grunde genommen habe ich mir schon immer genau solche Schnürsenkel gewünscht.
er Ach so?
sie Ja. (sie nimmt ihm die Schnürsenkel aus der Hand, betrachtet sie selig) So etwas Schönes. (sie wirft ihm selige Blicke zu, schmilzt ganz und gar)
er Mir gefallen sie auch.
sie (erfreut) Schön!
er (nimmt ihr die Schnürsenkel plötzlich recht heftig aus der Hand) Sehr sogar.
sie (plötzlich stutzig werdend) Sie – Sie wollen sie doch nicht etwa selber behalten? Oder?
er Ich hatte noch nie so schöne Schnürsenkel. Das wäre mal was. Endlich. So etwas Wunderbares! Ein Traum geradezu. Es – wäre ein Anfang.
sie Ich meine – (mit den Tränen ringend; beginnt sich auf die neue Situation einzustellen) ich würde mich natürlich auch für Sie freuen. Im Grunde – würde ich mich noch mehr freuen, wenn Sie sich diese wunderbaren Schnürsenkel kaufen würden und Ihre Freude daran hätten, als wenn Sie sie mir schenkten.
er Ja.
sie Ich habe auch gar nicht die passenden Schuhe dazu ...
er (er öffnet das kleine Schnürsenkel-Bündel und beginnt mit zunehmender Begeisterung mit den beiden Fäden zu spielen, springt und tollt herum, lacht und juchzt und kriegt sich kaum ein)
sie (ihr wird die Sache unheimlich, insbesondere seine Freude, die, wie ihr scheint, alles zu überschwemmen droht) Aber Sie müssen sie auch an die Schuhe machen! Sie können sie nicht einfach so herumschwenken, dazu sind die Senkel nicht da. Hören Sie?! Sie können sie anschauen, Sie können auch probieren, ob Sie gut eine Schleife und einen Knoten binden können; aber dann müssen die Senkel in den Schuh, hören Sie?! In den Schuh, dort gehören sie hin, ja!!
Er treibt es immer toller.
sie Sie können nicht hier einfach so mit den Senkeln herumspringen. Das – das ist auch nicht gut für die Senkel. So ein Senkel ist für den Schuh gemacht, da kann so ein Herumgespringe ihm leicht schaden! Er leiert aus oder verfängt sich, und Sie stolpern und fallen hin. Oder Sie treffen mich mit einem der Senkel und es tut mir weh. (immer intensiver, aber auch flehentlicher) Oder der Senkel schlingt sich mir um den Hals – und – und – und dann ziehen Sie, und dann falle ich hin. Oder die Schlinge zieht sich zu, und Sie würgen mich –
er (beginnt zu lachen, immer lauter und heftiger)
sie – oder ich erhänge mich. Sie erhängen mich, an dem Schnürsenkel! Und dann haben Sie mich umgebracht! Verstehen Sie?! Sie haben mich umgebracht!! (sie stellt sich ihm in den Weg; brüllt ihn an) Sie haben mich umgebracht!!!
er (verstummt augenblicklich; schaut konsterniert auf die beiden Senkel) Tja, wissen Sie – die Farbe ist gut, aber die Länge, auch die Dicke, überhaupt das Material, auch dass es gerade zwei sind - - wenn es nur einer wäre, oder aber zwölf oder zwanzig, da könnte man ordentlich etwas anfangen damit, nicht wahr. Auch diese Form – ich weiß nicht. Wenn es mehr würfelförmig wäre, oder rund, kugelig, so wie ein Apfel, aber nicht zum Essen, wie Weihnachtskugeln, nur schwerer, aber noch schöner, vielleicht mit so einer kleinen Schlinge daran, also solchen – so wie bei einem Nashorn, wissen Sie? Nur eben kleiner. Und bunt! Und dass man es hinstellen kann oder auch in den Kasten legen, wissen Sie. Und zum Reinbeißen, süß, aber nicht zu süß, und fest. Und es müsste reden können, man müsste es anfassen können und es müsste sich anfassen lassen. Im Grunde – wie Sie, nur eben anders. Wissen Sie? Das wäre schön. Das wäre schön! Nicht wahr? Das wäre schön?
sie (nahezu erstarrt) Ja. Das wäre schön.
er (er legt die Senkel wieder auf den Tisch) Guten Tag. (er geht hinaus)
sie (nachdem er schon lange weg ist – die Leute müssen schon fünfmal was andres gedacht haben und nun gar nichts mehr denken) Guten Tag.

Harter Black.

DIE KUTSCHE

Es war ein heißer Tag, heiß und trocken. Ich ging meines Wegs, auch wenn dessen Bestimmung ungewiss war. Die Gedanken hatten sich unter dem Druck der Hitze gelegt, der Blick ging nicht weit, er blieb irgendwo in der zitternden Luft stecken und machte sich dort seine eigenen Bilder. Ich ging einfach und ging und ging, irgendwann würde ich mein Gehen einstellen und mich irgendwo niedersetzen oder auch niederlegen, ich würde es schon merken. Wenn es soweit war, würde es geschehen.

Meine Schritte setzten sich noch immer von selbst in die staubige Erde, da vernahm ich etwas. War es ein Zittern, ein Vibrieren? Ein Geräusch? Es war außen, aber es war auch zugleich innen. Es nahm zu und auch meine Erregung nahm zu. Etwas, was ich bisher nur aus meinem Sehnen kannte, schien sich zu nahen. Dann wurde das Geräusch schlagartig lauter, ich sah Pferde neben mir, schwarze Pferde, dann eine Kutsche – – und dann saß ich in der Kutsche, und meine Hand hielt eine andere Hand, und meine Augen standen vor einem anderen Augenpaar, welches mich aus tiefer Bräune bis in mein Innerstes ansah, und dann fielen meine Lippen auf die ihren, unsere Arme suchten Halt am Andern, die Rosse rasten, und wir rasten, draußen stürzte Welt vorbei, Bäume und Gebüsch und dann Weizen, ewige Felder wogenden Weizens, und der Duft strömte in mich ein und erfüllte alles, ich fiel, ich fiel und fiel und fiel, wir fielen und fielen, Schweiß und Schreie, eine Hatz unvergleichlicher Zartheit und Glückseligkeit, ihre Augen tauchten wieder vor den meinen auf, ich legte meine Hand auf ihre Wange und sie die ihre auf meine, wir lächelten, und es ward ein eines Lächeln, und es war alles nur noch ein einziges Lächeln, und ich blieb stehen, und ich sah die Kutsche davonstieben, und etwas Schweres fiel auf mich hernieder, und ich setzte meine Schritte weiter in den bebenden Staub des Weges.

SCHUTZHANDSCHUH

In den 80er Jahren habe ich eine Zeitlang in der Statistikabteilung eines Arbeitsschutzinstitutes gearbeitet. Zwanzig Jahre später erhielt ich die Anfrage einer Berufsgenossenschaft, die von meiner Vertrautheit mit der Materie nichts wusste, ob ich anläßlich einer wissenschaftlichen Tagung einen passenden kabarettistisch-künstlerischen Beitrag leisten könnte. Ich konnte ihnen einen skurrilen Beitrag über Schutzhandschuhe anbieten, der Vortrag gelang gut. Er wurde auch von einer Dame gesehen, die im Folgejahr in Erfurt eine große Arbeitsschutz-Konferenz zu organisieren hatte. Sie fragte bei mir an, ich sagte ja und fuhr am 1. Dezember 2005 nach Weimar, um als Dr. Olaf Böhme zum Ende der Vormittagssession einen Vortrag über neue Tendenzen in der Entwicklung von Arbeitsschutzhandschuhen zu halten. Ich wollte es wissen – ich wurde ganz ernsthaft und offiziell angekündigt und hielt den etwa halbstündigen Vortrag in locker-wissenschaftlichem Stil. Zunächst hörten alle aufmerksam zu und machten sich Notizen. Dann kam leichte Unruhe auf, die Unruhe wurde stärker, einige wenige verließen erzürnt den Saal. Zugleich gab es erste Kicherlaute, dann wurden diese heftiger. Schließlich, auch da der Vortragsinhalt immer abstruser wurde, hatte man offenbar verstanden, was hier gespielt wurde, und gab sich freudig dem Geschehen hin. Wobei das Bonbon war, dass die aberwitzigen "wissenschaftlichen Ergebnisse" auch ein gerüttelt Maß an Sinn enthielten. Und schließlich waren alle zufrieden – die Teilnehmer, weil sie einen schönen Spaß erlebt hatten, und die Veranstalter und ich, weil unser Wagnis geglückt war. Sehen und hören Sie hier einige Eindrücke.

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STERNENKINDER

Im September 2017 konnte ich mitwirken an der Gestaltung einer Gedenkfeier des Dresdener Vereins "Sternenkinder" e.V., der sich um die Bestattung ganz früh im Mutterleib verstorbener Sternenkinder kümmert und die Eltern bei ihrer Trauerarbeit unterstützt. Die Veranstaltung fand statt in der Dresdener Dreikönigskirche. Eigens für diesen Anlass hatte Peter Flache Musiken komponiert, ich hatte das Buch mit Texten und szenischen Elementen verfasst. Realisiert wurde das Ganze von dem Dresdener Chor "Blautöne". Es war eine sehr ergreifende Stunde. Hier eine Textpassage, die – unterlegt von Musik – zunächst wechselnd von Einzelnen gesprochen wird, die letzten Zeilen spricht der gesamte Chor.

das gebackene Brot
die Milch, die frische
die Sonne und der Mond
der Käfer, der Vogel und die Katze
die Maschine, die lärmt
die Sonne und die Sterne
die Blüte, die Frucht
dein Leib und mein Leib
der Wind und der Wind und der Wind
dein Leib und mein Leib
das, was ist, und das, was kommen wird
der Stein, der Fels
das Meer
der Himmel über allem
die, die wir sind

O du Welt in die wir geworfen
O du Welt in die wir gekommen
Wir wandern und wandern
Wir fallen und wir erheben uns
So ziehen wir unsere Bahn

Regen der fällt
Berge die stürzen
Ob du hungerst
Ob du liebst
Wir gehen und gehen und gehen

Wir gehen gehen gehen
Wir atmen atmen atmen
Wir lieben lieben lieben

Wir lieben lieben lieben

Wir lieben lieben lieben

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